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Holger
- 26. October 2012 in Aktivitäten, Australien, Reiseblog
Buchtipp: Indigenous Australia for Dummies
Ich habe ein paar Wochen vor Abreise und die gesamte Zeit, seitdem ich in Australien bin, versucht, die Sache mit den Aborigines zu verstehen. Also alles – Geschichte, Kultur, Regeln und Gesetze, Ablauf der “Kolonisierung”, Sprache, aktuelle Probleme etc.
Es gibt keinen umfassenden Einstieg in das Thema “Aborigines” – oder?
Die Bücherläden hier in Australien sind ja voll von Büchern über Aborigines. Das Problem dabei ist: Was wir so geschmeidig “Aborigines” nennen, ist ein Sammelbegriff für 500 verschiedene Nationen, die ausser ein bißchen Handel nicht viel gemeinsam hatten. Bis die Engländer kamen und sie alle gleichbereichtigt geplättet haben. Zumindest fast.
In Alice Springs findet man ohne Probleme 120 Bücher über die Arrernte, einen der lokalen Stämme. An anderer Stelle findet man Duzende Bücher über kleine Ausschnitte und einzelne Aspekte der lokalen Aborigines. Einen Überblick sucht man vergeblich.
Also habe ich angefangen, Geschichtsbücher und Reiseliteratur zu wälzen. Hat auch nicht geholfen. Sogar der großartige Bill Bryson gibt nach wenigen Seiten auf, zu versuchen, die Situation der Aborigines zu verstehen.
Indigenous Australia für Dummies – die umfassende Einführung in Aborigine Kultur und Geschichte
In einem Buchladen in Alice Springs wurde ich dann endlich fündig: Indigenous Australia for Dummies. Ein Riesenschinken, der umfassend Aborigines erklärt. (Unter anderem habe ich das Buch so lange nicht gefunden, da ich nach “Aborigine” gesucht habe – im Englischen ist das nicht so ganz politisch korrekt. “Indigenous” oder “Aboriginal” wird bevorzugt. Wer auf Deutsch eine politisch korrekte Bezeichnung für mich hat, bittte melden!)
Also hab ich mir den Schinken auf’s iPad geladen und gelesen. Hier ist mein Fazit:
- Das Buch ist unglaublich schlecht geschrieben.
- Man sollte das Buch unbedingt lesen.
Klingt komisch, ist aber so.
Ein grauseliger Schreibstil
Die Autorin ist eine hochdekorierte Rechtsprofessorin mit Doktor von der Harvard Law School und sitzt in diversen respektablen Gremien. Warum das Buch sprachlich trotzdem so grottig ist, kann ich nicht sagen. Meine Vermutung wäre, dass die “For Dummies” Reihe spezifische Vorgaben macht, was die Einfachheit der Sprache angeht. Grundsätzlich ist einfache Sprache ja was Tolles – die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte in einfacher Sprache darzustellen ist meiner Meinung nach die wirkliche Auszeichnung eines intelligenten Menschen. In diesem Buch allerdings geht das – warum auch immer – gerne mal schief und ein Sachverhalt wird ‘mit dem Holzhammer’ präsentiert.
Gleichzeitig bemerkt man, dass die Authorin aus der Perspektive der Ureinwohner schreibt – und die tendenziöse Darstellung nicht einmal versteckt.
Das Buch ist so geschrieben, dass man von Kapitel zu Kapitel springen kann und das Buch nicht am Stück durchlesen muss. Das ist praktisch, aber führt zu einigen Wiederholungen, wenn man das Buch doch – wie ich – von vorne nach hinten liest.
Was im Buch ‘Indigenous Australia for Dummies’ behandelt wird
Das Buch macht genau das, was ich gesucht habe: Es liefert einen Überblick über die Kultur und Geschichte der Aborigines in Australien.
Hier ein Überblick der behandelten Themen:
- Kultur der Aborigines
- Traumzeit, Geschichten
- Struktur, Regeln, Gesetze
- Die verschiedenen Völker und Sprachen – Aborigines und Torres Strait Islanders
- Das Verhältnis zur Natur und anderen Stämmen
- Geschichte der Aborigines beginnend vor 60,000 Jahren
- Der Ablauf der “Kolonisierung” durch England
- Einfluss der Engländer auf die Ureinwohner
- Die Geschichte der Rechtsprechung bzgl. der Australischen Ureinwohner
- Der Kampf um Unabhängigkeit
- Die “Stolen Generations” – Kinderraub und Völkermord
- Die Rückgabe des Landes an die traditionellen ‘Besitzer’
- Kunst der Aborigines – Mehr als Punkte und Steine
- Musik
- “Aborigines haben ein Alkoholproblem” – Mythen und die Wahrheit
Warum man das Buch lesen sollte
Ich empfehle das Buch jedem, der einen Einstieg in die Materie sucht (und Englisch lesen kann – leider gibt’s keine Übersetzung. Aber das Englisch im Buch ist, wie gesagt, sehr leicht zu lesen.)
Gründe, das Buch zu lesen:
- Es ist das einzige Buch seiner Art.
- Es gibt einen guten Einstieg und einen guten Überblick.
- Man gewöhnt sich an den merkwürdigen Schreibstil.
- Es ist zwar etwas einseitig aus Sicht der Ureinwohner geschrieben – aber das macht Sinn.
Aus der Sicht der Engländer/Europäer/Weißen würde es wenig bringen, da hier Mißverständnisse oder Unverständnis niedergeschrieben würden. Außerdem ist es glaube ich nicht möglich, aktuell aus ‘weißer’ Sicht solch eine Einführung zu schreiben. Dazu ist der Prozess in Australien, vergangene Fehler einzugestehen und wieder gut zu machen, noch nicht fortgeschritten genug.
Also: Kaufempfehlung!Taschenbuch: Indigenous Australia For Dummies
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